Schnuller - Ja oder nein?

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Baby mit Schnuller
Foto: Panthermedia/Olinchuk

Die einen schwören auf ihn, die anderen verteufeln ihn, und die Babyindustrie bewirbt ihn. Die Studienlage zeigt freilich Mängel auf. Schnuller ja oder nein? Ein wahrlich kontroversielles Thema!

Dass Babys ein großes Saugbedürfnis haben, verrät unmissverständlich schon das Wort "Säugling". Selbst auf Ultraschallbildern sieht man Ungeborene bereits an ihrem Daumen lutschen. Ob später der Schnuller oder der Daumen die bessere Wahl ist, lässt sich nicht eindeutig beantworten, und so liegt es nahe, erst einmal gänzlich andere Maßnahmen zur Beruhigung vorzuziehen:

  • Inniger Körperkontakt,
  • Tragen
  • oder liebevolle Zuwendung

kann unruhigen Kindern bestens dabei helfen, zur Ruhe zu kommen. Schreien, Quengeln oder Weinen sollte nämlich als altersentsprechende Kommunikation betrachtet werden. So bekundet das Baby lautstark, dass es sich langweilt, eine schmutzige Windel, Hunger oder Durst hat.

Schnuller Pro

Das Europäische Institut für Stillen und Laktation hat viele Studien analysiert und gesicherte Aussagen zusammengetragen. Etwa, dass der Einsatz eines Schnullers bei Frühgeborenen therapeutische Wirkung hat und in bestimmten Fällen sehr hilfreich und sinnvoll sein kann. Auch die schützende Wirkung im Zusammenhang mit dem plötzlichen Säuglingstod ist nachweislich gegeben; vor allem nicht gestillten Kindern bietet der Schnuller während des Einschlafens diesbezüglich Schutz.

Im Zusammenhang mit dem Schlafen gibt es aber auch empfehlenswerte "Schnullerregeln":

  • Der Schnuller sollte aus dem Mund gezogen werden, sobald das Baby fest eingeschlafen ist; außerdem dem Baby nicht wieder in den Mund stecken, wenn er von selbst rausgefallen ist oder ausgespuckt wurde.
  • Mütter und Väter, die lieber keinen Schnuller geben möchten, können ihr Baby auch an den eigenen Finger saugen lassen. So befriedigt der Säugling sein Saugbedürfnis und nuckelt wirklich nur so lange, bis er selig eingeschlafen ist.

Schnuller Kontra

Wenig verwunderlich bringt der Einsatz des Schnullers auch nachweislich negative Auswirkungen mit sich. Denn Säuglinge, die häufig am Schnuller nuckeln, regen mitunter die Brust deutlich schlechter an und bringen damit die Muttermilchproduktion nicht entsprechend in Gang.

Aus diesem Grund sollte der Schnuller in den ersten Lebenswochen keine allzu große Rolle spielen. Ist das Stillen schließlich gut eingespielt, kann der Schnuller gelegentlich das "non nutritive" (nicht der Nahrungsaufnahme dienende) Beruhigungssaugen an der Brust ersetzen. Treten im Lauf der Stillzeit jedoch Stillprobleme auf, wird er besser weggeräumt, bis alles erneut rund läuft.

  • Denn Saugverwirrungen, ein Milchstau, wunde Brustwarzen und ineffektives Saugen stehen oft im Zusammenhang mit dem Schnuller oder dem Fläschchensauger.

Schnuller abgewöhnen

Je früher der Schnuller abgewöhnt wird, desto besser für das Kind. Denn der Gebrauch im Kleinkindalter kann sich negativ auf die Kieferstellung und die Sprachentwicklung auswirken und begünstigt zudem Mittelohrentzündungen.

Spätestens also, wenn das Kind zu sprechen beginnt, sollte den Worten Platz gemacht werden. Auch vehementes Kauen am Schnuller ist ein eindeutiges Zeichen dafür, dass das Kind nun wohl darüber hinausgewachsen ist und besser auf Gemüsesticks nagt oder seine Zahnleisten mit einem Beißring massiert. Für ältere Kinder empfiehlt sich die Regel, dass sie nur im Bett "schnullern", nicht aber tagsüber mit dem guten Stück im Mund herumlaufen. Um das Kind nicht ständig in Versuchung zu führen, dürfen dann natürlich auch keine Schnuller offen in der Wohnung herumliegen oder gar mit einer Kette an der Kleidung festgemacht sein.

Schnuller: Das ist zu beachten

  • Der Schnuller sollte ein raumsparendes und angepasstes Lutschteil sowie eine flache, querovale Form haben, um der Zunge wenig Raum zu nehmen.
  • Der Ansatz am bunten Schild des Lutschteils muss möglichst niedrig sein, damit die Schneidezähne nicht am Wachsen gehindert werden.
  • Das Lutschteil muss möglichst flexibel sein, damit die Zunge die Gaumen- und Kieferausformung positiv beeinflussen kann.
  • Schnuller aus Latex sind weicher als Schnuller aus Silikon. Je weicher das Lutschteil ist, desto besser für das Kind.
  • Je leichter, desto besser, um die Lippen- und Zungenmuskulatur nicht zu überanstrengen.
  • Der Schnuller darf keine Geschmacks- oder Zusatzstoffe sowie gesundheitsschädlichen Chemikalien enthalten.
  • Der Schnuller gehört dem Baby und darf nicht abgeschleckt werden, um keine Infektionen wie etwa Karies zu übertragen.
  • Klebrige oder poröse Schnuller sollten immer gleich gegen neue ausgetauscht werden.

Sterilisieren

Kinderärzte raten, den Schnuller in den ersten drei bis vier Lebensmonaten des Kindes täglich zu sterilisieren. Bringen Sie dafür in einem kleinen Topf Wasser zum Kochen und legen Sie das gute Stück kurz hinein. Oder verwenden Sie ein spezielles Gerät zum Sterilisieren aus dem Baby Fachhandel: den Vaporisator. In diesem wird der Schnuller durch heißen Wasserdampf gründlich desinfiziert. Dazwischen reicht es, wenn Sie den Schnuller regelmäßig heiß abspülen.

Es wird wahrlich viel Geschrei um das Thema "Beruhigungssauger" gemacht und bei der Überzeugungsarbeit allerseits der Mund recht voll genommen. Umso wichtiger ist es, sich den Schnuller in aller Ruhe zur Brust zu nehmen, ganz nüchtern den Wissensdurst zu stillen, um schlussendlich beruhigt sagen können: "Scheint, als hätten alle ein bisschen recht."

AUTORIN

Katharina Wallner ist Hebamme, Pädagogin und freie Journalistin. Sie betreut Familien in der Schwangerschaft, bei der Geburt und im Wochenbett. Außerdem unterrichtet sie seit 2014 an der Fachhochschule FH Campus Wien im Studiengang Hebammen.

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