Unsere Sprösslinge verbringen viel Zeit im Kinderzimmer. Der Raum, in dem sie spielen, lernen und schlafen, sollte daher möglichst frei von Schadstoffen sein.
Sind Kinder besonders empfindlich?
Kinder atmen häufiger. Ihre Haut ist dünner und weniger widerstandsfähig. Die Kleinsten nehmen viele Gegenstände in den Mund, doch ihr unausgereifter Organismus kann Gifte noch nicht gut abbauen. Daher sind die Folgen einer Belastung mit Schadstoffen besonders gravierend.
Worauf beim Bauen und Renovieren achtgeben?
Bis zu 90 Prozent unserer Zeit verbringen wir in Gebäuden. Die Qualität der Raumluft ist daher ein wichtiger Faktor für das Wohlbefinden und die Gesundheit.
Ausdünstungen aus Baumaterialien, Wandfarben, Lacken, Bodenbelägen und Möbeln belasten das Raumklima teilweise erheblich. Schadstoffe sammeln sich auch im Staub an. Vor allem in Neubauten und nach Renovierungen treten häufig gesundheitliche Probleme auf.
- Keinesfalls sollten Böden aus PVC verlegt werden
- und auch bei Laminat sollte man auf die Zertifizierung achten.
- Besser sind Böden aus natürlichen Materialien wie Holz, Kork oder Linoleum.
- Teppichböden und Kleber können ebenfalls belastet sein.
Als Alternative zu Kleber eignet sich doppelseitiges Klebeband. Bei Wandfarben und Lacken ist Produkten ohne Lösungsmittel der Vorzug zu geben.
Wie wird richtig eingerichtet?
- Bei Möbeln sollte man Vollholz bevorzugen, idealerweise aus nachhaltiger ökologischer Forstwirtschaft. Pressspan enthält meist Formaldehyd und geht schneller kaputt.
- Dass Matratzen und Krabbelmatten aus Naturmaterialien sind, ist vor allem für die Kleinsten wichtig, die viel Zeit darauf verbringen.
- Neue Möbel und Matratzen sollten vor der Verwendung einige Tage auslüften. Besser noch: Großteils gebrauchte Teile verwenden oder Einrichtungsgegenstände mit Zertifikaten wählen.
- Auch bei Lacken und Wachs ist ein Blick auf die Produktinformation wichtig. Lösungsmittel, giftige Pigmente und allergene Harze sind zu meiden. Für kleinere Kinder muss der Lack speichelfest sein.
Was gilt als unbedenkliches Spielzeug?
Das ideale Material ist unbehandeltes Holz. Wer auf eine Behandlung nicht verzichten möchte, wählt Öl oder speichelfesten Lack auf Wasserbasis. Unbehandelte Naturfasern eignen sich zur Herstellung von kuscheligen Spielgefährten. Weniger empfehlenswert ist Naturkautschuk, da er allergische Reaktionen verursachen kann.
Kunststoff ist aus gesundheitlichen und ökologischen Gründen generell nicht zu empfehlen. Wer meint, nicht darauf verzichten zu können, sollte Plastik ohne Weichmacher wählen.
Welche sind die Zutaten für ein giftfreies Kinderzimmer?
- Möbel und Spielzeug aus Vollholz mit FSC-Siegel
- lösungsmittelfreie Wandfarben, Lacke und Kleber
- Teppiche, Pölster etc. aus zertifizierten Naturmaterialien (Schurwolle, Baumwolle, Leinen)
- häufiges Lüften und Abstauben
Welche Kleidung?
Kleidung sollte unbedingt aus Naturmaterialien bestehen.
Doch auch hier muss man die Augen offen halten, nicht selten finden sich:
- Rückstände aus dem Anbau der Rohstoffe
- sowie Allergien auslösende Farben
- und schadstoffhaltige Textilausrüstungen, die abdampfen und damit die Luft im Zimmer belasten.
- Auch in vielen Kindersocken mit ABS-Beschichtung und in zahlreichen Kinderschuhen finden sich Weichmacher, die durch den Schweiß besonders leicht über die Haut in den Körper gelangen.
Wie kann man auf Nummer sicher gehen?
Zertifizierte Produkte, am besten mit Bio-Siegel und der Bezeichnung „Für Allergiker geeignet“, sind die beste Wahl bei Neuanschaffungen. Noch besser sind oft Möbel, Spielzeug und Kleidung aus zweiter Hand. Aus ihnen sind Schadstoffe zu einem guten Teil bereits verdampft oder ausgewaschen.
Was wird oftmals übersehen?
Ist Ihr Kind trotz aller Achtsamkeit häufig krank oder launisch, können unter anderem folgende Faktoren verantwortlich sein:
- die Lichtverhältnisse,
- Lärm,
- Schimmel,
- Staub
- oder Elektrizität
Je nach Problemlage schaffen neben einer durchdachten Lichtgestaltung und einem Vorhang, der keine „geisterhaften“ Schatten wirft, Schallschutz, häufiges Lüften (auch der Matratzen, vor allem bei Bettnässern) und Staubsaugen Abhilfe. Hilfreich kann es auch sein, Elektrogeräte aus dem Zimmer zu entfernen oder das Bett an einen anderen Platz zu stellen.
Autor:in:
Zur Person Margot Fischer ist Ernährungswissenschaftlerin. Sie forschte an der Klinik für Innere Medizin III im AKH Wien und veröffentlicht zahlreiche Fachpublikationen, Bücher und Artikel. http://margot-fischer.net/ Aktuelle Artikel