Ist die Traumimmobilie erst einmal gefunden, stellt sich meist die Frage nach der richtigen Finanzierung. Da die wenigsten von uns über einen Goldesel verfügen, ist der Weg zur Bank des Vertrauens der nächste logische Schritt. Doch Achtung: Bei Abschluss eines Kreditvertrags ist einiges zu beachten. NEW MOM hat sich bei der Schuldenberatung Tirol Tipps geholt, damit der Traum vom Eigenheim nicht zum Albtraum wird.
1. WAS KÖNNEN WIR UNS LEISTEN?
So schön der Traum vom Häuschen im Grünen auch sein mag: Mit den finanziellen Ressourcen muss er zu verwirklichen sein. Idealerweise erstellt man schon während der Immobiliensuche einen detaillierten Haushaltsplan, der alle monatlichen Einkünfte und Kosten anführt. Mag. Thomas Pachl von der Schuldenberatung Tirol empfiehlt dazu die Website www.budgetberatung.at, auf der sich eine genaue Anleitung, Musterbeispiele und Vorlagen für einen Haushaltsplan finden.
Aus dem Haushaltsplan ergibt sich dann die monatliche Rate, die man gegebenenfalls für einen Kredit zurücklegen könnte. Achtung: Ein tragfähiger Budgetplan beinhaltet „kalkulatorische Wagnisse“, also den Ersatz einer kaputten Waschmaschine, neue Winterreifen für das Familienauto etc. Auch die Kosten für Urlaube etc. sollten eingerechnet werden.
Was aber passiert bei Arbeitsplatzverlust? Auf jeden Fall gilt es hier genügend finanziellen Spielraum einzuplanen, denn die Erfahrung lehrt: Irgendwas ist immer!
2. KREDIT MIT FIXZINS, VARIABLER VERZINSUNG ODER ZINSCAP?
Je nachdem, ob man etwas risikofreudiger ist oder lieber auf Nummer sicher geht, bieten Banken oder Bausparkassen heute verschiedene Zinsformen an.
- Ein Fixzinssatz bedeutet, dass man über die gesamte Laufzeit des Kredits stets den gleichen Zinssatz zahlt. So bieten manche Banken bereits 1,6 Prozent fix auf 20 Jahre an. Diese Variante ist geeignet für Menschen mit hohem Sicherheitsbedürfnis, die genau planen wollen. Allerdings hat Sicherheit halt immer ihren Preis!
- Wer risikofreudiger ist, entscheidet sich für einen variablen Zinssatz: Dafür zahlt man seiner Bank als Zinsnehmer den Euribor plus einen vereinbarten Aufschlag.
Der Euribor ist ein von der Europäischen Währungsunion berechneter Wert, der – vereinfacht gesagt – den Zinssatz bezeichnet, zu dem die Banken untereinander Geld ausleihen können. Aktuell sind bereits Kredite mit variablen Zinssätzen von 1,1 Prozent zu haben. Steigt der Euribor, steigen die eigenen Zinsen automatisch mit … und umgekehrt. Bei höheren Kreditsummen kommen da schnell einmal viele tausend Euro zusammen. - Wem das zu heiß ist, der kann einen sogenannten Zinscap vereinbaren: Man zahlt variable Zinsen, allerdings nur, bis eine gewisse „Schmerzgrenze“ erreicht ist. Der Vorteil daran: Schon vorab ist bekannt, wie viel Zinsen schlimmstenfalls anfallen. Das erhöht natürlich Sicherheit und Planbarkeit für den Kreditnehmer, allerdings ist der Aufschlag etwas höher als bei reinen variablen Zinssätzen.
3. AUF DEN EFFEKTIV-ZINSSATZ GEACHTET?
Bei Kreditangeboten wird meist neben einem Netto- ein effektiver Zinssatz angegeben, der das tatsächlich Interessante ist. Denn er besagt, mit welcher monatlichen Belastung man wirklich rechnen muss. Im Effektiv-Zinssatz enthalten sind alle Bearbeitungs- und Nebenkosten. Weicht er sehr deutlich vom Netto-Zinssatz ab, sollte man das allerdings auf jeden Fall hinterfragen. Möglicherweise verbergen sich dahinter hohe Bearbeitungskosten der Bank, die man natürlich versuchen kann „herunterzuhandeln“. Fast alle Banken zeigen sich dieszüglich gesprächsbereit.
Sinnvoll ist es in diesem Zusammenhang auch, sich von der Bank die Gesamtkosten des Kredits inklusive aller Zinsen und Nebenkosten nach Ablauf der Laufzeit ausrechnen zu lassen. So erkennt man, was einen die Immobilie wirklich kosten wird und wie wirtschaftlich die Zinsbelastung im Vergleich zu einer Miete ist.
4. VORZEITIGES TILGEN DES KREDITS OHNE „STRAFZAHLUNG“ WICHTIG?
Kommt man durch Erbschaft oder Lottogewinn unerwartet zu Geldsegen und möchte diesen nutzen, um seinen Kredit ganz oder teilweise loszuwerden, sehen die meisten Kreditverträgen für diesen Fall ein sattes Pönale bzw. eine „Vorfälligkeitsentschädigung“ vor. Damit schützt sich die Bank zum einen vor Gewinnverlust. Viel wichtiger ist aber, dass sie dadurch eine mögliche Umschuldung des Kredits zu einem anderen Institut mit günstigeren Bedingungen erschwert. Diese vorgesehene Strafzahlung lässt sich aber fast immer „wegverhandeln“. Potenzielle Kreditnehmer sollten in dieser Frage hartnäckig bleiben.
5. MUSS MAN KAUFNEBENKOSTEN BERÜCKSICHTIGEN?
Eine Immobilieninvestition ist mit vielen Nebenkosten und Gebühren verbunden: Alles in allem machen Notariatskosten, Grundbucheintragung, Grunderwerbssteuer und eventuelle Maklerkosten noch einmal zusätzlich zehn Prozent des Kaufpreises aus. Dieser Betrag ist unbedingt einzurechnen.
6. VERHANDELN, VERHANDELN, VERHANDELN …
- Egal, wie honorig der Notar wirkt, man kann sicher einen Pauschalbetrag für die Vertragserrichtung mit ihm vereinbaren;
- der Makler wiederum gibt sich wahrscheinlich mit weniger als drei Prozent vom Kaufpreis als Honorar zufrieden;
- und das Feilschen mit der Bank um Zinsen und Bedingungen ist ohnehin Grundvoraussetzung. Erfahrungsgemäß geht immer irgendwas, wenn man nur fragt. Und fragen kostet ja bekanntlich nichts …
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Zur Person: Eva Sorantin ist Chefredakteurin von all4family & NEW MOM, Mutter von vier Kindern und beruflich schon seit über 20 Jahren in der Verlagsbranche im Bereich Familienmedien tätig. Wenn…