Gesicherte Qualität durch das Gütesiegel des bmbwf
Hanna reicht es: „Tanja, du sollst Aufgaben machen und nicht schon wieder Handy spielen!“ Aber siehe da: Tanja macht sehr wohl ihre Hausaufgaben, nur eben mit Hilfe einer App, die in der Schule verwendet wird. Man lernt ja offenbar nie aus! Wie funktioniert das und woher weiß man, dass die App seriös ist? all4family berichtet.
Was Tanja heute schon mit Hilfe von Lern-Apps bewerkstelligt hat: Mit Robitopia ist sie mit ihrem Avatar Robi zu einem von vier Fantasieplaneten gereist. Auf Dschungolino sind die Bäume krank. Was fehlt ihnen? Zusammen mit einem Bauern, einer Geologin, einem Mechaniker und einem Chemiker analysiert sie den Boden und kann das Rätsel lösen! So hat sie auch gelernt, womit man sich in diesen Berufen beschäftigt – und findet es sehr spannend.
Dann hat sie ihre Englisch-Hausübung mit Monstory gemacht. Von ihrer Mutter wurde sie „erwischt“, als sie gerade dabei war, einem Monster ihre Stimme zu leihen, auf Englisch, versteht sich.
Lern-Apps als Lernturbo
Lernen mit Spaß und hoher Motivation, im eigenen Tempo, immer und überall, Schulung der digitalen Kompetenz inklusive – das ist offensichtlich. Aber Lern-Apps bieten noch mehr: Nach der Dualen Kodierungstheorie des Psychologen Allan Paivio verwendet unser Gedächtnis – der Massenspeicher im Gehirn – zwei verschiedene Kanäle zur Speicherung von Informationen: verbale und nonverbale.
Werden beide Kanäle stimuliert, lernt das Gehirn besser. Genau dabei können Lern-Apps helfen.
- Bei Monstory z. B. geht es um das gemeinsame Erstellen, Bearbeiten und Teilen von digitalen Geschichten. Dieses digitale Storytelling fördert Kompetenzen wie Kommunikation, Sprache, soziales Lernen, Medienkompetenz, kreatives Problemlösen und konstruktive Zusammenarbeit.
- Das Hauptanliegen von Robitopia, erstellt von der MINTality Stiftung, ist die Stärkung der MINT-Begeisterung von Mädchen. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.
2020 hat die Studie „MINT-Interesse bei Kindern steigern“ des IHS (Institut für Höhere Studien) gezeigt, dass Mädchen im Vergleich zu Buben eine geringere Neigung zeigen, sich mit anderen zu messen, und ihr Interesse an MINT-Fächern geringer ausgeprägt ist. Um dieses Manko auszugleichen, schlägt die Studie vor: „Ein Lösungsansatz ist das spielerische Heranführen an das Thema schon im Volksschulalter.“
READY FOR RED hat sich zum Ziel gesetzt, sowohl Mädchen als auch Buben im Alter von zehn bis 17 Jahren über den Themenkreis Menstruation aufzuklären.
Der Unterricht ist modular aufgebaut und kann so individuell an Alter und Vorwissen angepasst werden. Alles in allem stehen 70 interaktive Spiele, Videos und Übungen auf vier Niveaus zur Verfügung. Die Lern-App gibt es auch auf Türkisch und Arabisch.
Vorteile für die LehrerInnen
Lern-Apps bieten den Lehrkräften differenzierte Informationen über die Schwächen und Stärken ihrer SchülerInnen, was wiederum maßgeschneiderte Hilfestellungen erleichtert. Teilweise können auch Elemente der Apps exportiert werden.
Qualitätskontrolle durch das Gütesiegel des bmbwf
Es gibt mittlerweile unzählige Lern-Apps. Wie kann man da sicher sein, dass die Qualität stimmt? Das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (bmbwf) hat sich der Sache angenommen und sorgt seit 2022 mit einem Gütesiegel für hilfreiche Orientierung.
Seither gibt es jedes Jahr eine Auswahlrunde. Nach der Prüfung der technischen Anforderungen (siehe Kasten) werden die eingereichten Lern-Apps von jeweils drei EvaluatorInnen in der Praxis auf Herz und Nieren geprüft.
Grundlage des Auswahlverfahrens ist ein Kriterienkatalog mit den Hauptpunkten
- pädagogisch-didaktische Konzepte,
- Funktionalität und mediale Gestaltung,
- SchülerInnenorientierung
- und für die Lehrperson verfügbare Funktionen.
Wichtig ist auch das Feedback der SchülerInnen, das ebenfalls einfließt. Besteht die App die Prüfung, erhält sie das Gütesiegel für zwei Jahre. Dann muss sie rezertifiziert werden.
Nicht nur für SchülerInnen?
Neugierig geworden, checkt Hanna die Liste der zertifizierten Lern- Apps, immerhin schon 107 an der Zahl, auf der Gütesiegel-Website. Praktischerweise gibt es eine Filterfunktion nach Schulstufe und Unterrichtsfach. Nicht schlecht, was sie da sieht!
Ovosplay ist eine App, wo man (Eltern und Kids) viel Wissenswertes zum Thema Cybersecurity lernen können, z.B. was ist „phishing“ etc. Es geht in der App, um die richtige Nutzung des Internets und dem Erkennen von Gefahren.
Das macht echt Lust auf Lernen! Hanna probiert die Webanwendung Cyber Security Quiz aus und hat in Nullkommanichts eine ganze Menge gelernt. So vergnüglich kann Lernen sein, wer hätte das gedacht.
Technischer Ablauf
Technische Anforderungen an Lern-Apps
Einreichung:
- Die Einreichung erfolgt durch die App-EntwicklerInnen. Einreichfrist ist jährlich im September.
- LehrerInnen, SchülerInnen, Erziehungsberechtigte und weitere Interessierte können jederzeit eine Lern-App empfehlen. In diesem Fall nimmt das Lern-Apps-Team Kontakt mit den EntwicklerInnen auf, die dann entscheiden, ob sie einreichen wollen.
Fotocredits: Lern-Apps
Cyberquiz: ovos media
Monstory: monstory e. U.
Robitopia: MINTality Stiftung
Ready for Red: erdbeerwoche
Autor:in:
Zur Person: Mag. Elisabeth Sorantin hat Sprach- und Literaturwissenschaften studiert und sich vor allem auf die Vermittlung von komplexen Sachverhalten in einer allgemein verständlichen Sprache spezialisiert. Aktuelle Artikel